MKT-06 · Markt, Investitionen & Regulierung

Robotik-Finanzierung 2025–2026: Wer hat Kapital erhalten und was bedeutet es?

Figure AI, Physical Intelligence, Skild AI und Apptronik haben binnen weniger Monate Milliarden eingesammelt – ein Überblick über Runden, Bewertungen und die Frage, was diese Zahlen wirklich signalisieren.

2027 →MKT-06 · GROWTH CURVE

Wer zwischen September 2025 und Februar 2026 auch nur oberflächlich die Robotik-Branche verfolgt hat, kennt das Muster: Ein Start-up ohne nennenswerten Umsatz meldet eine Finanzierungsrunde in dreistelliger Millionen- oder niedriger Milliardenhöhe – und die Bewertung liegt im zweistelligen Milliardenbereich. Figure AI kam im September 2025 auf über 1 Milliarde US-Dollar bei einer Post-Money-Bewertung von 39 Milliarden US-Dollar. Skild AI folgte im Januar 2026 mit 1,4 Milliarden US-Dollar bei über 14 Milliarden US-Dollar Bewertung. Physical Intelligence sammelte im November 2025 600 Millionen US-Dollar bei 5,6 Milliarden US-Dollar ein und befand sich Ende März 2026 Berichten zufolge bereits in Gesprächen über die nächste Runde. Apptronik kam im Februar 2026 auf 520 Millionen US-Dollar frisches Kapital bei einer Bewertung von rund 5 bis 5,5 Milliarden US-Dollar.

Was diese Zahlen gemeinsam signalisieren: Kapitalgeber wetten nicht mehr auf einzelne Roboter-Produkte, sondern auf allgemeine KI-Modelle, die viele verschiedene Roboterkörper steuern können – die sogenannten Robotik-Foundation-Modelle. Wer dort früh mit ausreichend Kapital, Rechenleistung und Trainingsdaten vorne liegt, soll einen kaum aufholbaren Vorsprung aufbauen. Genau diese Wette treibt die Bewertungen, nicht bereits erzielte Umsätze.

Wie viel Kapital ist 2025/2026 tatsächlich in die Robotik-Finanzierung geflossen?

Vier Runden bilden das Rückgrat dieser Entwicklung, und sie unterscheiden sich deutlich in Zeitpunkt, Struktur und Investorenkreis.

Unternehmen Runde Datum Kapital Bewertung Leadinvestor
Figure AI Series C 17.09.2025 über 1 Mrd. USD 39 Mrd. USD (Post-Money) Parkway Venture Capital
Physical Intelligence Wachstumsrunde 20.11.2025 600 Mio. USD 5,6 Mrd. USD CapitalG (Alphabet)
Skild AI Series C 14.01.2026 1,4 Mrd. USD über 14 Mrd. USD SoftBank Group
Apptronik Series-A-Erweiterung 11.02.2026 520 Mio. USD (935 Mio. USD gesamt) ca. 5–5,5 Mrd. USD B Capital & Google

Auffällig ist, dass drei der vier Unternehmen – Figure AI, Physical Intelligence und Skild AI – ihre Bewertung innerhalb weniger Monate mehr als verdoppelt oder sogar vervielfacht haben. Das ist untypisch selbst für Spätphasen-KI-Start-ups und deutet auf einen sehr konzentrierten Wettlauf um wenige Teams mit glaubwürdigem technischem Vorsprung hin.

Warum wird Figure AI mit 39 Milliarden US-Dollar bewertet?

Figure AI, Entwickler humanoider Universalroboter unter der Leitung von Gründer und CEO Brett Adcock, schloss seine Series C mit über 1 Milliarde US-Dollar zugesagtem Kapital ab, angeführt von Parkway Venture Capital. Beteiligt waren unter anderem Brookfield Asset Management, NVIDIA, Macquarie Capital und Intel Capital. Die Post-Money-Bewertung von 39 Milliarden US-Dollar ist deshalb bemerkenswert, weil Figure AI erst im Februar 2024 – gut anderthalb Jahre zuvor – seine Series B über 675 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 2,6 Milliarden US-Dollar abgeschlossen hatte. Die neue Figure-AI-Bewertung entspricht damit ungefähr dem 15-Fachen des Werts von Anfang 2024.

Eine derartige Vervielfachung in so kurzer Zeit lässt sich kaum mit klassischen Umsatzmultiplikatoren erklären. Sie spiegelt vielmehr die Erwartung wider, dass humanoide Universalroboter innerhalb weniger Jahre in Logistik, Fertigung und perspektivisch im Privathaushalt eine Marktgröße erreichen könnten, die heutige Automobilkonzerne relativiert – verbunden mit der Wette, dass Figure AI zu den wenigen Anbietern gehört, die dort tatsächlich skalieren.

Was steckt hinter der Physical-Intelligence-Finanzierung?

Physical Intelligence verfolgt einen anderen Ansatz als Figure AI: Statt eigene Roboter zu bauen, entwickelt das 2024 gegründete Unternehmen ein allgemeines KI-Modell, das verschiedenste physische Roboter steuern soll – unabhängig vom Hersteller. Gegründet wurde es von Karol Hausman (CEO, zuvor Staff Research Scientist bei Google DeepMind), dem UC-Berkeley-Professor Sergey Levine, der Stanford-Assistenzprofessorin Chelsea Finn sowie Brian Ichter, Lachy Groom und Quan Vuong.

Im November 2025 sammelte Physical Intelligence 600 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 5,6 Milliarden US-Dollar ein, angeführt von Alphabets Wachstumskapitalarm CapitalG, mit Beteiligung von Lux Capital, Thrive Capital, Jeff Bezos, Index Ventures und T. Rowe Price. Bereits Ende März 2026 berichteten Bloomberg und TechCrunch übereinstimmend, dass Physical Intelligence in Gesprächen über eine weitere Runde von rund 1 Milliarde US-Dollar bei einer Bewertung von über 11 Milliarden US-Dollar stehe – erneut fast eine Verdopplung binnen etwa vier Monaten. Wichtig für die Einordnung dieser Physical-Intelligence-Finanzierung: Beide Quellen beschrieben diese Gespräche ausdrücklich als früh und nicht abgeschlossen; ein unabhängiger Beleg dafür, dass die Runde tatsächlich final abgeschlossen wurde, ließ sich zum Stand dieses Artikels nicht finden. Als Interessenten wurden Founders Fund und Lightspeed Venture Partners genannt, neben den bestehenden Geldgebern Thrive Capital und Lux Capital.

Wer ist Skild AI, und warum steigt SoftBank ein?

Skild AI wurde im Mai 2023 von den Carnegie-Mellon-Professoren Deepak Pathak (CEO) und Abhinav Gupta (President) gegründet, beide zuvor Forscher bei Meta FAIR. Das Unternehmen positioniert sich ähnlich wie Physical Intelligence als Anbieter eines allgemeinen „Robotik-Gehirns“, das auf unterschiedlicher Hardware laufen soll – vom Industriearm bis zum humanoiden Roboter.

Im Januar 2026 schloss Skild AI eine Series C über 1,4 Milliarden US-Dollar ab, angeführt von der SoftBank Group, mit Beteiligung von NVIDIAs Venture-Arm NVentures, Macquarie Capital und Jeff Bezos über Bezos Expeditions; bestehende Investoren wie Lightspeed, Felicis, Coatue und Sequoia Capital stockten ebenfalls auf. Die resultierende Bewertung von über 14 Milliarden US-Dollar bedeutet laut übereinstimmenden Berichten von Bloomberg, TechCrunch und Crunchbase News eine ungefähre Verdreifachung innerhalb von etwa sieben Monaten. Zur genauen Zwischenbewertung vor dieser Runde gehen einzelne Quellen allerdings leicht auseinander – ein Beleg dafür, wie schnelllebig und teilweise unübersichtlich die Berichterstattung in diesem Marktsegment derzeit ist.

Dass ausgerechnet SoftBank die Runde anführt, passt zum bekannten Muster des Konzerns: hohe Einsätze auf wenige, als kategorieprägend eingeschätzte KI- und Robotik-Wetten, häufig deutlich vor belastbaren kommerziellen Kennzahlen.

Wie schneidet Apptronik im Vergleich ab?

Apptronik, Hersteller des humanoiden Roboters Apollo unter CEO Jeff Cardenas, ging einen etwas anderen Weg: Statt einer neuen Serienbezeichnung wurde im Februar 2026 eine Erweiterung der laufenden Series A um 520 Millionen US-Dollar bekannt gegeben. Damit summiert sich das gesamte bislang eingesammelte Series-A-Kapital auf rund 935 Millionen US-Dollar. Angeführt wurde die Runde gemeinsam von B Capital (unter dem Vorsitz von Howard Morgan) und Google, mit Beteiligung der bestehenden Investoren Mercedes-Benz und PEAK6 sowie neuer Geldgeber wie AT&T Ventures, John Deere und der Qatar Investment Authority.

Bei der resultierenden Bewertung zeigt sich eine der typischen Unschärfen dieses Marktes: CNBC nennt rund 5 Milliarden US-Dollar, TechCrunch spricht von etwa 5,3 Milliarden US-Dollar, Bloomberg formuliert vorsichtiger „mehr als 5,5 Milliarden US-Dollar“. Ohne ein einzelnes bestätigtes Dokument lässt sich die exakte Zahl nicht auf den Punkt bringen – realistisch ist eine Spanne von 5 bis 5,5 Milliarden US-Dollar. Bemerkenswert ist der Investorenkreis: Mit John Deere und der Qatar Investment Authority kommen erstmals ein etablierter Landmaschinenkonzern und ein großer Staatsfonds als strategische bzw. finanzielle Anker in diesen Teil des Marktes.

Was signalisieren diese Bewertungen für den Robotik-Markt insgesamt?

Vier Muster lassen sich aus diesen vier Runden ableiten, ohne über die vorliegenden Fakten hinaus zu spekulieren.

Erstens: Der Kapitalfluss konzentriert sich auf sehr wenige Teams. Figure AI, Physical Intelligence, Skild AI und Apptronik vereinen zusammen weit über 4 Milliarden US-Dollar an neu eingesammeltem Kapital binnen sechs Monaten – bei gleichzeitig noch überschaubarer kommerzieller Marktdurchdringung humanoider Roboter. Wer einen Marktausblick zur Physical-AI-Branche insgesamt sucht, findet dazu eine breitere Einordnung in unserem Physical-AI-Marktausblick 2026.

Zweitens: Die immer gleichen strategischen Investoren tauchen wiederholt auf – NVIDIA, Google/Alphabet, SoftBank, Jeff Bezos und Macquarie Capital erscheinen in mehreren dieser Runden gleichzeitig. Das deutet auf eine bewusste Streuung großer Technologie- und Finanzkonzerne über mehrere konkurrierende Foundation-Model-Ansätze hin, statt auf eine Wette auf einen einzigen Gewinner.

Drittens: Mit John Deere, Mercedes-Benz und der Qatar Investment Authority beteiligen sich zunehmend Industriekonzerne und Staatsfonds direkt an Frühphasen-Robotik, nicht nur klassisches Venture Capital. Für Anlegerinnen und Anleger, die keinen Zugang zu solchen Privatplatzierungen haben, bleibt der Weg über börsennotierte Robotik-ETFs die praktikablere Alternative zu Direktinvestitionen in diese Runden.

Viertens: Mit derart hohen Bewertungen rückt regulatorische Unsicherheit stärker in den Fokus der Investoren – insbesondere mit Blick auf die EU-KI-Verordnung und die Maschinenverordnung für Roboter, die für humanoide und kollaborative Systeme in Europa künftig verbindliche Sicherheits- und Konformitätsanforderungen festlegen. Wer verstehen will, was hinter dem Begriff „humanoider Roboter“ technisch überhaupt steckt, findet eine Einordnung im Beitrag zu humanoiden Robotern.

Welche Risiken bergen diese Rekordbewertungen?

Die auffälligste Gemeinsamkeit aller vier Runden ist die Diskrepanz zwischen Bewertungssprung und Zeitraum: Verdopplungen oder Vervielfachungen innerhalb von vier bis achtzehn Monaten sind selbst im Vergleich zu früheren KI-Boomphasen ungewöhnlich hoch. Solche Sprünge sind nur dann rational erklärbar, wenn Investoren nicht auf heutige Umsätze, sondern auf einen späteren Plattform-Lock-in setzen – vergleichbar mit den frühen Cloud-Infrastruktur-Wetten, nur mit deutlich höherem physischem und regulatorischem Risiko, da reale Hardware, Sicherheit und Haftung hinzukommen.

Hinzu kommt die bereits erwähnte Unschärfe in der Berichterstattung selbst: Bei Apptronik variiert die genannte Bewertung je nach Quelle um mehrere Hundert Millionen US-Dollar, und die jüngste Physical-Intelligence-Finanzierung war zum Redaktionsschluss dieses Artikels noch nicht als abgeschlossen bestätigt, sondern lediglich als „in Gesprächen“ berichtet. Wer diese Zahlen zitiert, sollte diese Unsicherheit mitkommunizieren, statt sie als endgültige Fakten zu behandeln. Fachbegriffe rund um Bewertungsrunden und Foundation-Modelle lassen sich im Glossar nachschlagen, sofern Unklarheiten bei der Terminologie bestehen.

Insgesamt zeigt der Blick auf Figure AI, Physical Intelligence, Skild AI und Apptronik weniger einen einzelnen Gewinner als einen sehr konzentrierten, kapitalintensiven Wettlauf mehrerer gut finanzierter Teams um dieselbe Grundthese: dass ein allgemeines Robotik-Foundation-Modell in den kommenden Jahren zur entscheidenden Plattformtechnologie der physischen KI wird. Ob sich diese hohen Bewertungen durch tatsächliche Umsätze und Einsatzzahlen in Lagerhallen, Fabriken und irgendwann Haushalten rechtfertigen lassen, wird sich erst zeigen, wenn aus Pilotprojekten belastbare kommerzielle Verträge werden – ein Punkt, an dem die Robotik-Finanzierung der Jahre 2025 und 2026 noch am Anfang steht.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die aktuelle Figure-AI-Bewertung?

Figure AI erzielte mit seiner am 17. September 2025 abgeschlossenen Series-C-Runde eine Post-Money-Bewertung von 39 Milliarden US-Dollar, bei über 1 Milliarde US-Dollar eingesammeltem Kapital unter Führung von Parkway Venture Capital. Zum Vergleich: Die vorherige Series B im Februar 2024 lag noch bei 2,6 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg um etwa das 15-Fache in anderthalb Jahren.

Was unterscheidet Physical Intelligence von Figure AI und Skild AI?

Figure AI baut eigene humanoide Roboter, während Physical Intelligence und Skild AI allgemeine KI-Modelle entwickeln, die auf unterschiedlicher Hardware verschiedener Hersteller laufen sollen. Physical Intelligence wurde von ehemaligen Google-DeepMind-, UC-Berkeley- und Stanford-Forschern gegründet, Skild AI von zwei Carnegie-Mellon-Professoren.

Ist die Physical-Intelligence-Finanzierung von März 2026 bereits abgeschlossen?

Nein, zum Stand dieses Artikels berichteten Bloomberg und TechCrunch übereinstimmend, dass sich Physical Intelligence lediglich in frühen Gesprächen über eine Runde von rund 1 Milliarde US-Dollar bei über 11 Milliarden US-Dollar Bewertung befand. Ein bestätigter Abschluss der Runde ließ sich unabhängig nicht nachweisen.

Warum führt SoftBank die Skild-AI-Runde an?

SoftBank verfolgt seit Jahren die Strategie, früh und mit hohen Summen in wenige als kategorieprägend eingeschätzte KI- und Robotik-Unternehmen zu investieren. Die Führung der 1,4-Milliarden-Dollar-Series-C von Skild AI im Januar 2026 passt in dieses bekannte Muster, ergänzt durch Beteiligungen von NVentures und Jeff Bezos.

Wie viel Kapital hat Apptronik insgesamt eingesammelt?

Mit der im Februar 2026 bekannt gegebenen Erweiterung um 520 Millionen US-Dollar summiert sich das gesamte Series-A-Kapital von Apptronik auf rund 935 Millionen US-Dollar. Die daraus resultierende Bewertung wird je nach Quelle mit 5 bis über 5,5 Milliarden US-Dollar angegeben.

Sind die Robotik-Bewertungen von 2025/2026 eine Blase?

Belegbar ist, dass mehrere Bewertungen sich innerhalb weniger Monate vervielfacht haben, ohne dass entsprechende Umsatzsprünge öffentlich dokumentiert sind. Ob das eine Blase oder eine gerechtfertigte Plattform-Wette ist, lässt sich mit den vorliegenden Fakten allein nicht abschließend beurteilen – die Diskrepanz zwischen Bewertungssprung und Zeitraum ist jedoch ungewöhnlich hoch.

Was bedeutet 'Series-A-Erweiterung' bei Apptronik im Unterschied zu einer neuen Serie?

Statt eine neue Serienbezeichnung (etwa Series B) zu vergeben, wurde bei Apptronik die bestehende Series A um 520 Millionen US-Dollar aufgestockt. Das signalisiert oft, dass bestehende Konditionen und Vorzugsrechte aus der ursprünglichen Runde fortgeführt werden, statt komplett neu verhandelt zu werden.